Venezuelas Präsident warnt vor imperialistischer Intervention. USA verletzen Luftraum. Aufruf zu internationaler Unterstützung

Von Carmela Negrete
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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro warnt vor einer ausländischen Intervention gegen sein Land

Es war eine ungewöhnliche Pressekonferenz, die Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am Dienstag abend abhielt. Nicht nur in den Regierungssitz Miraflores in Caracas wurden die Journalisten nationaler und internationaler Medien gebeten, auch viele venezolanische Botschaften überall auf der Welt wurden per Video zugeschaltet. Die diplomatische Vertretung der Bolivarischen Republik in Berlin hatte ebenfalls dazu eingeladen, stieß jedoch außer bei junge Welt nur auf wenig Interesse.

Mit der Schaltung rund um den Globus wollte Maduro auf die internationale Aggression aufmerksam machen, die gegen sein Land im Gange sei. Dazu präsentierte er Schlagzeilen der internationalen Presse zu Venezuela: »USA prognostizieren, dass Maduro seine Amtszeit nicht vollenden wird«, titelte beispielsweise die konservative ABC aus Madrid, während The Washington Post schrieb, dass Venezuela, »dringend eine politische Intervention von außen« benötige.

»Wir haben das Recht, uns selbst zu regieren«, betonte der Staatschef mit der Verfassung des Landes in der Hand. Es werde eine Intervention vorbereitet, die der in Libyen oder Syrien ähnele. »Das Imperium versucht, sich in die inneren Angelegenheiten Venezuelas einzumischen, nachdem es erfolgreich am Putsch in Brasilien mitgearbeitet hat«, warnte er. Deshalb rufe er alle »mitfühlenden und anständigen Menschen, Regierungen und Organisationen« dazu auf, sich weltweit für die Unabhängigkeit Venezuelas und seine demokratische Ordnung einzusetzen. Er erinnerte dabei an das berühmte Zitat Martin Niemöllers: »Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.«

Am 11. und am 13. Mai sei zweimal ein US-Spionageflugzeug, eine mit der AWACS-Überwachungsanlage ausgerüstete Boeing 707 E-3 Sentry, in den venezolanischen Luftraum eingedrungen, machte Maduro die Dramatik der Lage deutlich. Luftabwehr und Luftwaffe hätten den Eindringling entdeckt und entsprechend reagiert. Eine solche Provokation werde das venezolanische Volk nicht tatenlos hinnehmen, kündigte er an. Scharf verurteilte Maduro Äußerungen des früheren kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe. Dieser hatte am vergangenen Freitag in Miami gefordert, der Opposition in Venezuela müssten »demokratische Streitkräfte« zur Verfügung gestellt werden.

»Sie wollen Chaos und Gewalt in unserem Land verbreiten«, warnte Maduro. Über die internationalen Massenmedien werde ein falsches Bild von Venezuela und seiner Regierung verbreitet, um so eine Militärintervention zu rechtfertigen. Dabei räumte der Staatschef ein, dass sein Land derzeit »die tiefste Krise seit Jahrzehnten« durchmache. Trotzdem »garantieren wir weiter, dass die Menschen Bildung, Gesundheitsvorsorge sowie Lebensmittel erhalten«. Er zog den Vergleich zu Europa. Die Arbeitslosenquote sei in Venezuela niedriger als in zahlreichen Ländern des alten Kontinents, etwa in Spanien. Und überhaupt: »Wie behandeln die europäischen Länder gerade die Menschen, die vor Kriegen fliehen, die sie selbst unterstützt haben?« Das Mittelmeer sei zu einem Friedhof geworden, während sich die Presse des Kontinents um die Angelegenheiten Venezuelas kümmere.

Nach Abschluss der nahezu vier Stunden dauernden Pressekonferenz dankte Maduro über den Internetdienst Twitter den Teilnehmern in den verschiedenen Botschaften für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen. »Venezuela wird weiter dem Weg der Unabhängigkeit und des Lebens folgen«, betonte er.

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