Großdemonstrationen für und gegen Regierung von Präsident Maduro in Venezuela. »Besetzung« der Hauptstadt blieb aus

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sprach auf der Avenida Bolív

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sprach auf der Avenida Bolívar zu Zehntausenden Anhängern

In Caracas haben am Donnerstag Zehntausende Menschen für und gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro demonstriert. In den Mittelschichtsvierteln im Osten der venezolanischen Hauptstadt versammelten sich Angehörige der Opposition, um die zügige Durchführung eines Amtsenthebungsreferendums gegen den Staatschef zu fordern. Im Vorfeld hatten Sprecher der Regierungsgegner mit bis zu einer Million Teilnehmern gerechnet – davon blieben sie weit entfernt. Von einer »Einnahme« oder »Besetzung« von Caracas, wie das Motto der rechten Mobilisierung gelautet hatte, könne keine Rede sein, berichtete jW-Korrespondentin Modaira Rubio aus der venezolanischen Hauptstadt. Die im Vorfeld befürchteten gewaltsamen Zusammenstöße blieben am Donnerstag weitgehend aus.

Die Gegner der venezolanischen Regierung versammelten sich im Os

Die Gegner der venezolanischen Regierung versammelten sich im Osten der Hauptstadt

Obwohl die Opposition ihren Aufmarsch in Caracas zuvor als »entscheidend« und »historisch« angekündigt hatte und sogar mit dem Volksaufstand 1958 gegen die Diktatur von Marcos Pérez Jiménez verglichen hatte, wollten ihre Sprecher die Kundgebung anschließend nur noch als Auftakt zu einer Reihe weiterer Aktionen verstanden wissen. So sollen am 7. September sechsstündige Kundgebungen vor den Büros des Nationalen Wahlrats (CNE) stattfinden, um die Durchführung des Referendums zu fordern. Am 14. September sollen dann zwölfstündige Aktionen an den gleichen Orten folgen.

»Sie werden nicht durchkommen!« – Anhänger von Präsident Maduro

»Sie werden nicht durchkommen!« – Anhänger von Präsident Maduro demonstrieren am Donnerstag in Caracas ihre Bereitschaft, den revolutionären Prozess zu verteidigen

Auf der Avenida Bolívar im Zentrum der Hauptstadt demonstrierten dagegen Zehntausende Menschen ihre Unterstützung für Maduro und kündigten an, die Bolivarische Revolution gegen das rechte Lager zu verteidigen. Die unabhängige Tageszeitung Últimas Noticias sprach in ihrer Onlineausgabe unter Anspielung auf die bevorzugte Kleidungsfarbe der Linken von einer »roten Flut«, die das Stadtzentrum überflutet habe. »Wir haben einen Putschversuch vereitelt«, rief Maduro seinen Anhängern zu. Am heutigen 1. September beginne die »Gegenoffensive des Volkes«, um die Errungenschaften des bolivarischen Prozesses zu verteidigen. Der Staatschef räumte zugleich Versäumnisse seiner Regierung ein und versprach, in einem Prozess von Kritik und Selbstkritik zusammen mit dem Volk gegen Korruption und Inkompetenz im Staatsapparat vorzugehen.

Anhänger der Opposition auf dem Weg zu ihrer Kundgebung

Anhänger der Opposition auf dem Weg zu ihrer Kundgebung

Auch in anderen Ländern versammelten sich Unterstützer des bolivarischen Prozesses vor den Botschaften und Konsulaten Venezuelas, um ihre Solidarität zu demonstrieren. Unter anderem in Berlin gab es am Donnerstag vormittag eine kleine Kundgebung vor der diplomatischen Vertretung. (jW)

http://www.jungewelt.de/2016/09-02/072.php