Der Verkauf von Wasser an internationale Konzerne wird von der Regierung Temer in großen Schritten voran gebracht.

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Der Hauptsitz von Nestlé in São Lourenço, südlich von Minas Gerais, wurde am Dienstagmorgen um 6 Uhr von 600 landlosen Frauen besetzt. Im Rahmen des nationalen Kampftages verurteilen  die Frauen die Wasserlieferungen an internationale Konzerne durch die Putschregierung von Michel Temer. Mit Sorge machen sie auf die Verhandlungen aufmerksam, die derzeit im Internationalen Wasserforum in Brasilia stattfinden.

 

“Stellen Sie sich vor, Sie sind gezwungen, das Wasser in Flaschen zu kaufen, um den Durst während des Tages zu stillen. Niemand würde das ertragen. Genau das wollen die Unternehmen in diesem Moment in diesem Forum”, sagt Maria Gomes de Oliveira von der MST-Geschäftsleitung. Es ist sehr schlimm, ein internationales Forum für die Vermarktung unserer Wasserreserven zu schaffen. Sie sind nicht da, um das Management von irgendetwas zu diskutieren, sie machen eine Aktion, um das Land zum Preis von Bananen zu verkaufen”, vervollständigt die Frau.

 

Im Januar dieses Jahres trafen sich Michel Temer und Nestlé-Präsident Paul Bulcke, um über die Ausbeutung des Guaraní-Aquifers zu diskutieren. Das Reservat umfasst vier Länder. Nach den Siegen der Konservativen in Argentinien und den Staatsstreichen in Paraguay und Brasilien könnte nur Uruguay die Privatisierung verhindern. “Je mehr der Putsch sich vertieft, desto deutlicher wird der Einfluss großer Wirtschaftsgruppen auf die Politik und ihr Interesse an der Ausbeutung unserer natürlichen Reichtümer”, erklärt Oliveira.

 

Kriminelle Ausbeutung

Das Unternehmen Nestlé, das 10,5% des weltweiten Wassermarktes kontrolliert, sitzt seit 1994 in der Stadt, als es die Quellen und den Wasserpark São Lourenço kaufte. Seit 1997 protestiert die lokale Bevölkerung gegen die Ausbeutung des Mineralwassers, das vor der Privatisierung für medizinische Behandlungen genutzt wurde. Die Strömung hat sich reduziert und der Geschmack des Wassers geändert. Die Mineralsalze gehen verloren.

 

Die Vermarktung geschieht unter zwei Namen : São Lourenço und Pure Life. Letzteres geschah zwischen 1999 und 2004 ohne staatliche Lizenz, bis die Regierung Aécio Neves (PSDB) diese der Firma schenkte. Eine Zivilklage gegen Nestlé stellte allerdings fest, dass das produzierte Wasser nicht nur den Quellboden öffnete und die Magnesiumquelle austrocknet, sondern auch insgesamt illegal war. Nestlé hat alles Mineral mittels eines chemischen Prozesses aus der Flüssigkeit entfernt, um dann Mineralsalz hinzuzufügen, das sein eigenes Patent besitzt.

“Nestlé kam vor Jahrzehnten hier hin und beutet seit Jahrzehnten das Wasser aus. Wasser ist jedoch ein gemeinsames Gut der Menschen, es zu verteidigen ist eine Frage der Souveränität “, erklärt María. Obwohl der Präsident von Nestlé bestätigt, dass es keine übermässige Ausbeutung gibt, sind zwei der Quellen des Parks bereits ausgetrocknet. Nach offiziellen Angaben werden pro Jahr 19 Millionen Liter Wasser abgefüllt. Da es für diesen Markt keine spezifischen Rechtsvorschriften gibt, erhalten Bund,  Gemeinde und Staat eine finanzielle Abfindung. Im Jahr 2016 erhielt São Lourenço mickrige 563 Tausend Reais.

 

Der Süden von Minas Gerais ist bekannt für den Kaffeanbau. Nestlé kontrolliert 22% der weltweiten Kaffeemarken. Viele davon kommen aus dieser Region. Die konventionelle Plantage, die hohe Mengen an Pestiziden braucht, beschäftigt jährlich Tausende von irregulären Arbeitern. Bezüglich den Missständen in den Kaffeeplantagen gibt es keine Kontrollen. 2015 mussten zwei Teenager, einer 14 und ein anderer 15-jährig, aus Plantagen gerettet werden, die Nestlé gehören.

 

Es lebe Marielle!

 

Die Frauen der Landlosen-Bewegung gedenken Marielle (sie wurde kürzlich in Rio ermordet). Sie fordern, dass die Verantwortlichen bestraft werden. “Wir haben keinen Zweifel, dass dieser undemokratische Staat für die Hinrichtung unserer Gefährtin allein verantwortlich ist. Marielle wird immer in unserem Kampf weiter leben!”, sagt Maria.

Die Frauen der Landlosenbewegung werden ihre Kämpfe in diesem Jahr fortsetzen. Maria Gomes de Oliveira lässt keinen Zweifel : „Solange die Bourgeoisie diesen Abbau der Demokratie fortsetzt und die brasilianischen Bevölkerung Rechte verliert, solange  werden wir Land und Betriebe dieser Putschisten besetzen. Die Menschen müssen wissen, wer für das Elend, die Ausbeutung und die Umweltzerstörung verantwortlich ist.”

 

Brasil Fato kontaktierte Nestlé, um die Position des Unternehmens zu den Beschwerden zu erfahren. Der multinationale Konzern reagierte jedoch nicht.

 

Die Polizei greift ein

 

Nach der Demonstration im Hauptquartier von Nestlé in São Lourenço-MG, um gegen die von der Putschregierung Temer geförderte Privatisierung des Wassers zu protestieren, griffen die Polizisten in einer Straße die Busse mit den Frauen an und umstellten sie mit einem Fahrzeug.

 

Die Polizei beschlagnahmte die Schlüssel von neun Fahrzeugen  und hielt mehr als 400 Frauen in den Bussen gefangen.

 

Sie verhinderten auch Fotos und Filmaufnahmen und drohten Mobiltelefone ebenfalls zu beschlagnahmen.

Juca Guimarães

https://www.brasildefato.com.br/2018/03/20/brasil-or-mujeres-ocupan-la-sede-de-nestle-contra-la-privatizacion-de-las-aguas/