Russland hält an Solidarität mit Venezuela im Kampf gegen Coronavirus fest. Oppositionspolitiker Guaidó gegen Aufhebung der Sanktionen
Von Santiago Baez
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Ein Mann mit Gesichtsmaske fährt am Freitag in Caracas an einem Wandbild gegen Trump vorbei

 

In Venezuela hat am Wochenende eine Nachricht des russischen Ölkonzerns Rosneft für Aufregung gesorgt, alle Beteiligungen in dem südamerikanischen Land abstoßen und sich vollständig aus Venezuela zurückziehen zu wollen. Oppositionelle werteten das als schweren Schlag für Präsident Nicolás Maduro und als Anfang vom Ende von dessen Regierung. »Die Ratten verlassen das sinkende Schiff«, hieß es auf Twitter. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich Russlands Botschafter in Caracas, Sergej Melik-Bagdascharow, über Twitter zu Wort meldete. »Macht euch keine Sorgen!« beruhigte er die aufgeschreckten Nutzer des Netzwerks. »Es handelt sich um eine Übertragung der Beteiligungen von Rosneft direkt an die Regierung Russlands. Wir gehen weiter zusammen vorwärts!« Die Übertragung der Aktien sei »ausdrücklich eine Botschaft der Solidarität«.

Tatsächlich will Moskau mit dieser Maßnahme offenkundig die Rosneft-Aktionäre vor den US-Sanktionen gegen Venezuela schützen. Washington hatte den Konzern im Februar auf eine »schwarze Liste« der Unternehmen gesetzt, die das »Maduro-Regime« unterstützen. Rosneft ist zwar mehrheitlich im Besitz des russischen Staates, knapp ein Fünftel der Anteile hält jedoch die britische BP, während die »QH Oil Investments LLC« aus Katar knapp 19 Prozent besitzt. Der Rest wird frei gehandelt. Wie Rosneft mitteilte, gehen die Beteiligungen in Venezuela nun an ein namentlich nicht genanntes Unternehmen, das sich zu 100 Prozent im Besitz des russischen Staates befindet.

Moskau hat sich auch in den vergangenen Tagen wiederholt auf die Seite Venezuelas gestellt und eine Aufhebung der von den USA und der Europäischen Union gegen das Land verhängten Sanktionen gefordert. Diese seien »in der jetzigen Situation einer Pandemie fast zu einer Massenvernichtungswaffe geworden«, warnte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag in Moskau. Zudem verstärkt die russische Regierung ihre Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus, auf das nach Angaben des Statistikportals »Worldometer« mit Stand vom Sonntag in Venezuela 119 Menschen positiv getestet worden sind. Zwei Patienten starben, während 39 als geheilt entlassen werden konnten. Am vergangenen Dienstag landete ein aus Russland kommendes Flugzeug mit Hilfsgütern in Caracas, »in den nächsten Tagen« wird nach Angaben von Staatschef Maduro eine weitere Maschine erwartet. Auch China unterstützt Venezuela weiter, ebenso wie Kuba, das Ärzte und Medikamente in die Bolivarische Republik geschickt hat.

Dem Oppositionspolitiker Juan Guaidó, der sich Anfang vergangenen Jahres selbst zum »Übergangspräsidenten« Venezuelas ernannt hatte, ist solche Solidarität ein Dorn im Auge. In einem am Freitag von Spiegel online veröffentlichten Interview lehnte er eine Aussetzung der gegen Caracas verhängten Sanktionen ab. Die Krise habe »nichts mit den Sanktionen zu tun«, behauptete er weiter – und widersprach damit sogar führenden Politikern der USA, die sich der Auswirkungen der Strafmaßnahmen rühmen. In der Nacht zum Sonntag forderte er dann über Twitter die Bildung einer »Notstandsregierung« aus Vertretern aller politischer Lager – jedoch ohne Beteiligung Maduros. Der hatte dagegen schon vor Tagen angeboten, ohne Vorbedingungen mit allen Kräften Gespräche zu führen, um gemeinsam die Pandemie zu bekämpfen.