Managua. Wegen »Einmischung in innere Angelegenheiten« will Nicaraguas Regierung die US-dominierte Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verlassen. Auf Anweisung von Präsident Daniel Ortega sei das Verfahren zum Austritt eingeleitet worden, sagte Außenminister Denis Moncada am Freitag in Managua. »Das ehrwürdige Volk und die Regierung Nicaraguas verzichten auf ihre Mitgliedschaft in dieser in Washington gefangenen Organisation«, hieß es in einem Schreiben an OAS-Generalsekretär Luis Almagro.

Erst vor einer Woche hatte die Organisation die Wahlen vom 7. November in Nicaragua für nicht legitim erklärt. Der 76jährige Ortega wurde für eine vierte Amtszeit in Folge gewählt. Die OAS, eine 1948 gegründete Organisation mit Sitz in Washington, hatte seinen Ständigen Rat beauftragt, bis Ende des Monats die Lage in Nicaragua zu beurteilen, um »geeignete Maßnahmen« zu ergreifen. Ortega regiert seit 2007 und war bereits nach der Revolution der sozialistischen Sandinisten gegen Diktator Anastasio Somoza von 1979 bis zu seiner Abwahl 1990 an der Macht.

Nicaragua wird die OAS allerdings nicht sofort verlassen können. Das Austrittsverfahren dauert zwei Jahre. Bis jetzt hat nur die venezolanische Regierung unter Nicolás Maduro die Organisation verlassen. Der venezolanische Sitz wird allerdings von einem Vertreter des selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó besetzt. (dpa/jW)

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